Eyetracking-Experiment - Motorische Prozesse beim 10-Finger-Tastschreiben




Auszubildende der Karl-Volkmar-Stoy-Schule und Mitglieder des Jenaer Stenografenvereines e. V. beteiligten sich im Herbst 2018 an einer wissenschaftlichen Untersuchung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, bei der ihre Expertise gefragt war -  nämlich das Zehnfingertastschreiben. Die Untersuchung ist Teil eines Promotionsprojekts im Arbeitsbereich für Sportpsychologie der Universität, welches sich mit automatisierten motorischen Verhalten beschäftigt. Die Fragestellung ist hierbei, was diese Automatismen kennzeichnet und welche Herausforderungen entstehen, wenn diese nicht mehr wie gewohnt angewendet werden können, sprich umgelernt werden muss. Im motorischen Kontext, darunter im Sport, kommt es des Öfteren dazu, dass ein gewohntes Bewegungsprogramm nicht mehr funktional ist und verändert werden muss, zum Beispiel aufgrund von neuen Sportgeräten, verändertem Regelwerk, Fehlerkorrektur oder Technikinnovationen. Dabei müssen motorische Automatismen aufgebrochen und bereits vorhandene Bewegungsmuster modifiziert werden. Diese motorische Umstellung ist häufig gar nicht sehr leicht. Was entscheidet, wie veränderbar ein automatisiertes Bewegungsprogramm ist und wie einfach oder schwer sich dieser Umstellungsprozess gestaltet? Welche motorischen, visuellen und kognitiven Prozesse spielen dabei eine Rolle? Welchen Einfluss hat Expertise auf die Umstellung? Kann der Umstellungsprozess erleichtert werden? Mit diesen bisher nur sehr wenig wissenschaftlich untersuchten Fragestellungen beschäftigt sich die aktuelle Studienreihe. Zehnfingertastschreiben als automatisiertes motorisches Programm bietet dafür eine optimale motorische Aufgabe, mithilfe derer diese Fragen untersucht werden können. Erfahrene Zehnfingertastschreiber benötigen wenig kognitive Ressourcen und wenig visuelle Kontrolle, um Texte zu auf einer Tastatur zu schreiben. Sie haben ihre Bewegungsabläufe weitgehend automatisiert. Präzise und genau können die Reaktionszeiten für jeden einzelnen Tastendruck erfasst werden, während die Finger der Teilnehmer über die Tastatur rasen. Zusätzlich werden in der Untersuchung die Blickbewegungen mit einer speziellen Blickbewegungskamera erfasst und somit das visuelle Verhalten beim Tastaturschreiben analysiert. Weitere Folgestudien sind geplant. Wenn Sie Zehnfingertastschreiben beherrschen und ebenfalls gern teilnehmen möchten, melden Sie sich gern beim Arbeitsbereich Sportpsychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Sabine Smolinski

 
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