Erinnerungsort „Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz“



Seit einigen Jahren gibt es in Erfurt einen neuen Gedenkort zum Nationalsozialismus, der sich auf dem ehemaligen Gelände der Firma Topf & Söhne befindet. Ohne die hier konstruierten Leichenverbrennungsöfen und der Gaskammer-Lüftungstechnik wäre der industrielle Massenmord in Auschwitz nicht möglich gewesen. Die Geschichte dieser Firma zeigt exemplarisch die zivile Mittäterschaft an der Vernichtung der europäischen Juden. Die Mitarbeiter von Topf & Söhne waren daran unmittelbar beteiligt. Ob als Geschäftsführer, Ingenieure oder Monteure unterstützten sie mit ihrem unternehmerischen und beruflichen Handeln dieses Menschheitsverbrechen. Während des zweistündigen Rundgangs durch die Gedenkstätte erfuhren die Schüler der Klasse BG 11 , dass die Firma Topf & Söhne ab 1939 begann, die SS mit speziell für die Konzentrationslager entwickelten Leichenverbrennungsöfen zu beliefern. Deutlich wurde, dass im Verlauf des Zweiten Weltkrieges die Ingenieure der Firma eine immer aktivere Rolle einnahmen. So reichte ein Mitarbeiter aus eigener Initiative 1942 ein Patent für einen „kontinuierlich arbeitenden Leichenverbrennungsofen für Massenbetrieb" ein. Und noch im Februar 1945 arbeitete Topf & Söhne daran, die Anlagen in Auschwitz-Birkenau zu demontieren, um diese in der Nähe des KZ Mauthausen wieder zu errichten. Anhand ausgewählter Beispiele wurde kontrovers diskutiert, inwieweit die Firma oder wenigstens Einzelpersonen sich einer Zusammenarbeit mit der SS hätten verweigern können. Letztlich eine grundsätzliche Frage, die jeder der damals Handelnden für sich selbst beantworten musste. In diesem Zusammenhang wurden die diktatorischen Rahmenbedingungen angesprochen, die dazu führten, dass nur sehr wenige zivilen Ungehorsam leisteten oder gar offenen Widerstand wagten.

 
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